
In Kematen an der Krems wird das Trinkwasser knapp. Der Grundwasserspiegel sinkt, der Verbrauch steigt. Die Wassergenossenschaft Neuhofen sucht deshalb fieberhaft nach neuen Quellen.
Im Visier: der Schachener Wald. Das Land Oberösterreich stuft das Gebiet als „Hoffnungsgebiet” für Trinkwasser ein. Doch die Pläne sorgen für Ärger.
Besorgte Bürger haben bereits Unterschriften gesammelt. Sie fürchten um ihre eigenen Brunnen und werfen Gemeinde und Genossenschaft mangelnde Information vor.
Kematens Bürgermeister Markus Stadlbauer versucht zu beruhigen. Ein einfaches Projekt ist die Wassersuche trotzdem nicht.
Grundwasser sinkt, Bedarf steigt
Die Wassergenossenschaft Neuhofen versorgt die Gemeinden Neuhofen an der Krems, Kematen an der Krems und Piberbach mit Trinkwasser. Mit mehr als 2.000 Mitgliedern ist sie die größte Wassergenossenschaft Oberösterreichs. Gegründet wurde sie bereits 1938.
Doch die Lage spitzt sich zu. Bis 2055 rechnet die Genossenschaft mit einem Anstieg des Trinkwasserbedarfs um bis zu 20 Prozent, weil die Bevölkerung wächst. Gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel. Vor allem in trockenen Jahren steht an den bestehenden Brunnen weniger Wasser zur Verfügung.
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Der Schachener Wald als Hoffnungsgebiet
Aktuell konzentriert sich die Suche auf den Schachener Wald in Kematen an der Krems. Das Land Oberösterreich hat das Areal in einer Studie als „Hoffnungsgebiet für Trinkwasser” eingestuft.
Die Genossenschaft steht in Gesprächen mit einem Grundstückseigentümer. Eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht, auch Probebohrungen wurden bislang nicht angesetzt. Obmann Stephan Imbery dazu: „Die wachsenden Anforderungen nach Trinkwasser erfordern es, neue Wasserbezugsmöglichkeiten zu erschließen. Nur so können wir die Sicherheit der Wasserversorgung für unsere Mitglieder erhöhen und uns Sicherheitsreserven aufbauen.”
Strenge Auflagen für die Suche
Kommt eine Einigung mit dem Grundeigentümer zustande, folgt zuerst eine Probebohrung. Erst wenn genug Wasser in ausreichender Qualität vorhanden ist, geht es weiter.
Die Erkundungsphase läuft unter behördlicher Kontrolle. Mit Datenloggern wird gemessen, ob ein neuer Brunnen die umliegenden Wasservorkommen beeinträchtigt. „Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen und tun alles, damit Anrainern keine Nachteile erfahren”, so Imbery. Ergebnisse werden frühestens in zwei Jahren erwartet.
Bürgermeister will beruhigen
In Kematen an der Krems kursieren Gerüchte über eine Brunnensuche zwischen Golfplatz und Schachen sowie über eine Baulanderweiterung im Bereich Hochfeld. Bürgermeister Markus Stadlbauer will diese Ängste mit Informationen aus erster Hand zerstreuen.
„Heimischen Brunnenbesitzern das Wasser abzupumpen ist und war nicht das Ziel der Gemeinde beziehungsweise auch nicht der Wassergenossenschaft”, betont Stadlbauer. Es gehe darum, Trinkwasser für die Bevölkerung zu sichern, ohne bestehende Brunnen zu beeinträchtigen. Von Siedlungserweiterungen sei keine Rede.
Stadlbauer stellt klar, dass die Gemeinde nicht Betreiberin des Projekts ist, sondern die Wassergenossenschaft nur unterstützt. Ob die Suche letztlich erfolgreich verläuft, könne aktuell niemand sagen. „Ein Versuch ist es aber im Hinblick auf die Zukunft auf jeden Fall wert. An dieser Stelle darf ich auch um etwas Vertrauen bitten”, so der Bürgermeister.
Bürger formieren Widerstand
Gegen die Pläne hat sich bereits eine Gruppe besorgter Bürger zusammengeschlossen. Sie sammelten Unterschriften und fordern: Wird das Projekt durchgezogen, muss der Bestand aller bestehenden Brunnen gesichert werden.
Die Initiative kündigt bereits jetzt „großen Widerstand” an. Ihr Vorwurf: fehlende Information durch die Gemeinde und durch die Wassergenossenschaft Neuhofen selbst.
Neue Statuten beschlossen
Bei der Mitgliederversammlung am 23. April war das Interesse groß. Neben zahlreichen Mitgliedern kamen auch Vertreter von Gemeinden und Behörden, um sich über die laufenden Projekte zu informieren.
Einstimmig beschlossen wurde eine aktualisierte Satzung der Genossenschaft. „Wasser bleibt in Bürgerhand, aber braucht moderne Strukturen”, so Obmann Imbery.