
Manche Eltern bringen ihre Kinder zum Flughafen und lassen sie dort einfach los. Kein Urlaub, kein Familienausflug: Immer öfter fliegen Jugendliche schon mit 13 Jahren allein ins Ausland, um an mehrwöchigen Sprachcamps teilzunehmen.
Ziel solcher Camps, etwa in New York, ist es nicht in erster Linie, Ferien zu machen. Es geht darum, Englisch zu lernen, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Für Eltern ist dieser Schritt oft ein Balanceakt zwischen Sorge und Vertrauen. Manche sehen darin aber vor allem eine Chance für die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder.
Sprachcamp statt Ferienlager
Anbieter wie EF (Education First) organisieren mehrwöchige Auslandsaufenthalte speziell für Jugendliche. Im Zentrum steht der intensive Umgang mit einer Fremdsprache im Alltag, nicht im Klassenzimmer.
Teilnehmer verbringen dabei mehrere Wochen gemeinsam mit Gleichaltrigen aus verschiedenen Ländern. Der Camp-Alltag ist auf Begegnung ausgelegt: gemeinsames Wohnen, gemeinsames Lernen, gemeinsame Freizeit.
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Kein Urlaub, sondern Charakterbildung
Anders als ein klassischer Familienurlaub verfolgen solche Camps ein pädagogisches Ziel. Jugendliche sollen über sich hinauswachsen, indem sie sich fernab der Eltern in einer neuen Umgebung zurechtfinden.
Genau dieser Aspekt gilt als eigentlicher Mehrwert solcher Programme: nicht das Englischlernen allein, sondern der Umgang mit Selbstständigkeit, fremden Menschen und ungewohnten Situationen.
Erziehung als Umfeldgestaltung
In der Debatte um solche Freiheiten für Kinder spielt ein Konzept der Autorin Jean Liedloff eine Rolle: das Kontinuum-Prinzip. Die zentrale Idee dahinter: Kinder muss man nicht in erster Linie erziehen, sondern ihnen das passende Umfeld schaffen.
Wird die angeborene Erwartung von Kindern an ihre Umgebung erfüllt, können sie sich demnach frei entfalten. Wird sie nicht erfüllt, fällt die Entwicklung schwerer. Anhänger dieses Ansatzes sehen darin eine Begründung dafür, Kindern schon früh mehr Eigenständigkeit und Verantwortung zuzutrauen, etwa bei Auslandsaufenthalten wie einem Sprachcamp.