
Kaum ist der erste Bagger angerollt, plant Google schon den nächsten Schritt. Das Rechenzentrum im oberösterreichischen Kronstorf soll deutlich größer werden als bisher genehmigt.
Der Konzern hat weitere Ausbaustufen zur Genehmigung eingereicht. Sie umfassen das gesamte 50 Hektar große Areal und könnten den Standort zu einem der größten innerhalb des gesamten Google-Konzerns machen.
Das weckt massive Sorgen: um den Strombedarf, um den Wasserverbrauch und um den Boden. Kritiker sprechen von einem der größten Boden- und Energiefresserprojekte des Landes. Für den 17. Juli ist bereits eine Demonstration gegen das Projekt angekündigt.
Vom ersten Spatenstich zum XXL-Ausbau
Nach 18 Jahren Planung fiel Ende April der Spatenstich für Googles erstes Rechenzentrum in Österreich, im 3.500-Einwohner-Ort Kronstorf im Bezirk Linz-Land. Die erste Baustufe ist bereits genehmigt, der Betrieb soll 2027 starten. Google verspricht 100 neue Arbeitsplätze.
Kaum ist gebaut, wird nachgelegt. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) spricht von einem neuen Antrag, der eineinhalb Mal größer ist als die bisher genehmigte erste Stufe. Andere Berichte gehen von einer Verdoppelung oder mehr aus. Investiert werden soll ein Betrag in Milliardenhöhe. Ob der gesamte Campus tatsächlich entstehen darf, ist noch offen. Bau- und Gewerberecht müssen den Antrag erst prüfen.
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Wie viel Strom braucht das Monster wirklich?
Für die erste Baustufe war eine maximale elektrische Leistung von 150 Megawatt genehmigt. Beim vollen Ausbau könnten es bis zu 500 Megawatt werden.
Kritiker und der Übertragungsnetzbetreiber APG rechnen im Vollausbau mit einem jährlichen Stromverbrauch von bis zu 3,5 Terawattstunden. Das entspricht dem Verbrauch von rund 900.000 Haushalten. Zum Vergleich: Oberösterreich selbst hat insgesamt nur etwa 676.000 Haushalte.
Landesrat Achleitner widerspricht dieser Rechnung. Der tatsächliche Verbrauch liege selbst beim jetzt eingereichten Vollausbau bei weniger als der Hälfte der bisher genannten Zahlen. Für ihn steht aber fest: Steigender Bedarf an Rechenleistung für Künstliche Intelligenz bedeutet automatisch mehr Energiebedarf, der durch zusätzliche Stromerzeugung und mehr Speicherkapazität gedeckt werden muss. Ein neuer 220-kV-Stromring zwischen Ernsthofen und Kronstorf soll die Versorgung absichern.
Wasser für die Kühlung, Sorgen um die Enns
Neben Strom braucht das Rechenzentrum auch riesige Mengen Wasser zur Kühlung. Berichten zufolge könnten es im Vollausbau bis zu 5,55 Millionen Kubikmeter pro Jahr sein.
Die wasserrechtliche Bewilligung erlaubt Google, rund 99 Liter Wasser pro Sekunde mit einer Temperatur von bis zu 30 Grad in die Enns einzuleiten. Kritiker warnen vor Folgen für das Flussökosystem, das durch Hitze und Trockenheit ohnehin schon belastet ist.
Betonierte Äcker: Der Streit um den Boden
Das Areal in Kronstorf liegt auf besonders fruchtbarem Ackerland. Im Vollausbau sollen rund 460.000 Quadratmeter bebaut werden, praktisch das gesamte 50-Hektar-Grundstück.
Grünen-Umweltlandesrat Stefan Kaineder findet dafür klare Worte: „Dieser Standort ist mehr als problematisch, denn hier wird fruchtbarstes Ackerland zubetoniert und der Landwirtschaft als Lebensmittelproduzent entzogen.” Die Standortentscheidung sei „typisch für die oberösterreichische Raumordnungspolitik, für den in OÖ enorm hohen Bodenverbrauch.”
Verschärfend kommt hinzu: Weil Rechenzentren gesetzlich nicht unter das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz fallen, ist für das Projekt keine UVP nötig. Die „BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf” um Sprecher Harald Müllner wirft dem Projekt vor, dass Schwellenwerte, deren Überschreitung eine UVP-Pflicht ausgelöst hätte, immer wieder knapp unterschritten worden seien.
Politik gespalten zwischen Jubel und Alarm
Landesrat Achleitner feiert das Projekt als positives Signal für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich, besonders im Bereich Künstliche Intelligenz. SPÖ-Landesrat Martin Winkler ist zurückhaltender. Das Projekt könne dem Wirtschaftsstandort zwar „einen kräftigen Schub geben”, doch dürfe die Stromversorgung der Bevölkerung und bestehender Betriebe dadurch „weder gefährdet noch verteuert werden.”
Kaineder fordert eine Gesetzesänderung, damit Projekte dieser Größenordnung künftig einer UVP unterzogen werden müssen. Zudem verlangt er von Achleitner und Google endlich transparente Information der Öffentlichkeit, „und nicht nur Jubel.”
Auch Umweltorganisationen schalten sich ein. Der WWF nennt das Vorhaben eines der „größten Boden- und Energiefresserprojekte des Landes” und fordert hohe Umweltstandards sowie eine umfassende, unabhängige Prüfung der Gesamtbelastung. Greenpeace spricht von einem „Frontalangriff auf unsere Klimaziele und die regionale Versorgungssicherheit” und kritisiert „erschreckende Intransparenz”: „Alle Umweltdaten müssen bedingungslos auf den Tisch, bevor hier weiter zubetoniert wird.”
Widerstand formiert sich
Der Widerstand gegen das Projekt wächst. Gegner des Rechenzentrums rufen für den 17. Juli zu einer Demonstration auf.
Die Bürgerinitiative wirft der Landespolitik vor, die Bevölkerung nicht einzubinden. Es werde „nichts aus- oder abgesprochen”, sondern „abgehandelt, veröffentlicht und durchgezogen”, so Müllner. Ob der Vollausbau tatsächlich kommt, entscheidet sich erst nach Abschluss der Genehmigungsverfahren.